Exkursionen

Exkursion im Ville-Wald, 25. Juni 2012

Am 25. Juni 2012 fand die erste Exkursion mit 18 Studenten (aus 13 Nationen) des IMES-Programms im Ville-Wald statt. Begleitet wurden sie von Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft und den beiden Diplom-Biologen Jan Herrmann und Dr. Doris Linzmeier von der Initiative 50TausendBäume.

Der Rundgang begann in der Naturwaldzelle des etwa 20 Hektar großen Altwaldes der Ville, mit Buchen- und Eichenbeständen, deren ältesten Vertreter ein Alter von etwa 200 Jahren aufweisen. Der VilleAltwaldist Teil des Europäischen Netzes Natura 2000 und wird nicht bewirtschaftet. Die Natur soll sich in diesem Bereich des Waldes ohne menschlichen Einfluss entwickeln. Durch Beobachtung und Dokumentation natürlicher Prozesse können Erkenntnisse für eine nachhaltige und moderne Waldwirtschaft gewonnen werden.

Charakteristisch für diesen Waldbereich sind Schwarzspecht, Siebenschläfer und verschiedene Fledermausarten, aber auch charismatische Vertreter der Insekten wie der Hirschkäfer.

Der Altwald befindet sich südlich des Silbersees, eine von insgesamt 40 ehemaligen Tagebaugruben auf der Ville-Seen-Platte im Rhein-Erft Kreis. In diesem Bereich ist die alte Abbaukante des Braunkohleabbaus noch gut zu erkennen.

Die Wanderung führte anschließend in den rekultivierten Bereich und wurde in nordöstlicher Richtung fortgesetzt, vorbei am Naturschutzgebiet Zwillingssee mit relativ jungen Baumbeständen von hoher Diversität im Vergleich zum Altwaldbestand. Auf den feuchten Böden dieses Areals wachsen Silberweiden, Schwarzerlen und Birken. Zu den Gästen aus Übersee zählen die Robinie und die amerikanische Roteiche.

Die vernässten Böden bieten keine guten Voraussetzungen für die Rotbuche. Gleichwohl hat sich hier ein Lebensraum entwickelt, der ein völlig anderes Artenspektrum beherbergt als der Altwald. Der strukturreiche Ufersaum des Zwillingssees bietet Amphibien wie den Kleinmolcharten oder Springfrosch optimale Bedingungen. Die Bruchwaldbereiche um den See herum werden von Klein- und Mittelspecht als Nahrungs- und Fortpflanzungshabitate genutzt.

Die nächsten Stationen waren das Villenhofer Maar und die Huttanus-Plantage. Das Villenhofer Maar ist ein klassischer Tagebausee mit einem schmalen Röhrichtsaum.

Es beherbergt eine in Nordrhein-Westfalen einzigartige Libellenfauna. Hier findet man zum Beispiel die einzige bodenständige Population der zierlichen Moosjungfer in Nordrhein-Westfalen, die bis 2008 in NRW als ausgestorben galt und in Europa vom Aussterben bedroht ist.

Die Seen der Ville bilden zusammen mit den alten Entwässerungsgräben des Tagebaus ein Vorflutsystem, das den Wasserstand des Grundwassers und der Oberflächengewässer reguliert. Die rotbraune Farbe des Wassers in den Gräben stammt von Eisen oxidierenden Bakterien, die charakteristisch für Sumpf- oder Moorgebiete sind. Das oberflächennahe Grundwasser enthält hohe Konzentrationen an zweiwertigem Eisen, das von den Bakterien oxidiert und dann als rotbraunes Eisenoxid ausgefällt wird.

Die Entwässerungsgräben dienen dem Europäischen Feuersalamander als Fortpflanzungshabitate.

Auf einer kleinen Kalamitätsfläche, auf der ursprünglich eine Fichtenmonokultur angelegt war, die 2007 durch den Sturm Kyrill zerstört wurde, entsteht heute durch natürliche Sukzession und gleichzeitiger Waldverjüngung ein neuer Lebensraum, der von der Haselmaus besiedelt wird.

Die hier befindlichen Gleyböden sorgen für die Entstehung kleiner Feuchtbiotope, die wiederum die Libellen- und Amphibienfauna beleben. Aber auch Reptilien finden hier ausreichend Nahrung und Unterschlupf.

Bei der Huttanus-Plantage handelt es sich um einen Waldbereich, der in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts angelegt wurde und somit zum ältesten Teil der Rekultivierung zählt. Zu dieser Zeit experimentierte man bereits mit Hartholz- Mischwald- Beständen (Buchen, Eichen und Eschen), darunter befinden sich aber auch Weichhölzer wie Weiden und Pappeln. Der Untergrund, auf dem die Plantage angelegt wurde, bestand aus verschiedenen Anteilen von Sand, Kies, Lehm und Braunkohle sowie Tonerde.

Die Exkursion fand ihren Abschluss auf dem Schnorrenberg-Parkplatz im Stadtteil Brühl-Badorf. Während die Themenschwerpunkte der Veranstaltung noch auf der Waldbewirtschaftung, Rekultivierung und Biodiversität lagen, möchten wir das Themenspektrum der zukünftigen praktischen Arbeiten erweitern, zum Beispiel um die Frage  nach dem Einfluss urbaner Wälder auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen.