Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger

Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger

2006 regte sich Unmut in der Bevölkerung der Stadt Brühl und brach sich in Leserbriefen Bahn. Die lokale Presse hatte eine Karte veröffentlicht, die eine geplante großflächige Erweiterung des Freizeitparks Phantasialand in den Villewald hinein zeigte. Ursprünglich hatte der Betreiber vor, den Vergnügungspark um zusätzliche 300.000 Quadratmeter zu erweitern – das entspricht rund 50.000 Bäumen unseres Staatswalds. Daraus leiteten die engagierten Bürgerinnen und Bürger, die sich 2007 zusammenschlossen, den Namen ihrer Initiative 50TausendBäume ab. Seit 2009 steht den Umweltaktivisten ein Förderverein zur Seite; er ist Mitglied der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW.

Konfliktthema „Green Economy“

Primäres Ziel der Initiative war es, den Villewald vor dem Zugriff eines privaten Unternehmens zu schützen. Seit 1994 ist der Umweltschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Nach unserem Verständnis kommt also dem Schutz und Erhalt des Staatswalds als Allgemeingut eine höhere Bedeutung zu als privatwirtschaftlichen Interessen. Doch Vertreter von Politik und Wirtschaft sind der Ansicht, Naturflächen seien über Ausgleichsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen zu ersetzen. Damit sei dem Umweltschutz als Staatsziel genüge getan. Aus dieser Kontroverse heraus haben wir uns dem Thema „Green Economy“ gewidmet. Sie gibt vor, mit geeigneten Instrumenten den Projektentwicklern und der Natur gleichermaßen gerecht zu werden. Doch in Wirklichkeit sollen auf diesem Weg Verfahren für Bauvorhaben vereinfacht und beschleunigt werden. Diese Ökonomie ist alles andere als „grün“.

Erfahrungen nutzbar gemacht

Gesellschaftliches Engagement insbesondere im Bereich von Natur und Umwelt polarisiert. Die beiden aufeinander treffenden Parteien – Ökologie und Wirtschaft – zeigen sich in der Regel unversöhnlich. Oft laufen Entscheidungen der Behörden auf Kompromisse hinaus, bei denen die Natur auf der Verliererseite steht. Wann lässt man sich als Umweltaktivist auf solche Kompromisse ein? Wie bewahrt man seine Glaubwürdigkeit? Wo liegen die Schwächen und wo die Stärken von Bürgerinitiativen oder Nichtregierungsorganisationen? Mit diesen Fragen haben wir uns immer wieder auseinandergesetzt und einen reichen Schatz an Erfahrungen gesammelt. Diese machen wir nutzbar und geben sie weiter, zum Beispiel in Kooperation mit dem internationalen Studiengang der Universität Köln an junge Menschen aus aller Welt.